“Don’t believe the hype” und so, aber im Zweifel muss sich ja irgendjemand durch dieses neue Spiel quälen und den Rest der Welt davor warnen. Oder zum Kauf animieren. Natürlich ist niemand besser dafür geeignet als das absolut schmerzbefreite Team von Vier Fäuste gegen Ryu.
“Stalker” ist wie erwartet am Wochenende angekommen, wurde ausgepackt, installiert und konfiguriert. Die Bleipuste wurde durchgeladen, der Geigerzähler eingeschaltet und die Jod-Tabletten lagen bereit. Buch oder Film sind mir zwar nicht bekannt, jahrelange Erfahrung hat mich allerdings gelehrt: die Kenntnis der jeweiligen Romanvorlage ist für effektives Umholzen von Mutanten nicht weiter notwendig. Der Vier Fäuste-Wanderausflug nach Prypjat konnte also losgehen. Hier ein kleiner Ersteindruck nach zwei oder drei Stunden Spielzeit.
Zum Einstieg kurz das Thema Performance. Beim allerersten Spielstart rutschte mir dank exzessiven Nachladeruckelns noch das Herz in die Hose – liegt wohl an dem einen Gig RAM. Das ist auch immer noch so, aber habe ich diese Phase überstanden, läuft das Spiel recht sauber. Okay, nachdem ich mich durchs Options-Menü geschraubt hatte. Das eingeschaltete “Full Dynamic Lightning” läuft auf der Möhre unter meinem Schreibtisch für meinen Geschmack einen Hauch zu träge, das “static” sieht aber auch sehr hübsch aus. Zumindest in den Aussenarealen bemerke ich keinen Unterschied. Beides ist definitiv ein großes Plus gegenüber der DX8-Einstellung, die sieht nur noch gewöhnlich aus und so ganz ohne die diversen Lichtstimmungen kommt nur ein Bruchteil des Flairs rüber. Zur Referenz: Athlon64 3500+, 7800GT, 1 Gig RAM. Und ja: Antialiasing muss ein, sonst hagelts fiese Treppchen.
Dicke Haue kriegen die Entwickler für ihr Storytelling. Bei den Göttern von Kobol – unvertonte Bleiwüsten sind ja SOOO letztes Jahrhundert! Und dann das Inventar. Ächz. Fummlig bis zum Umfallen. Referenzen an “Deus Ex” sind ja im Prinzip super, aber da war das Inventar schon genauso übel. Damals, im Jahr 2000. Schon mal was von Ergonomie gehört? Die “Lebenssimulation” ist genauso blöd: die Spielfigur bekommt Hunger. Toll, dann geh ich in dieses Inventar-aus-der-Hölle und doppelklicke ‘ne Wurst. Mahlzeit. Lustig ist dabei: das Fußvolk in der Zone geht mit der Zeit und ruht sich nicht auf einem Standbein für den Lebensunterhalt aus: die meisten erlegten Gegner entpuppen sich bei der Durchsuchung als nebenberufliche Fleischereifachverkäufer, soviel Schwein-im-Eigendarm haben die in ihren Taschen gebunkert! Will hoffen, das ist nur eine Anfangserscheinung. So weit bin ich ja noch nicht vorgedrungen. Vielleicht freue mich später über jeden trockenen Brotkrümel.
Als nächstes ein paar Worte zum Schwierigkeitsgrad. Vergesst “novice”. Das ist albern. Auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad sind die Shootouts komplett harmlos. Aus allen Rohren feuernd hinter der Deckung hervorspringen ist da immer noch die beste Taktik. Vom Loot der getöteten Gegner, die dann schnell im Dutzend herumliegen, ganz zu schweigen. Schwuppdiwupp hatte ich in kürzester Zeit mehrere hundert Schuss für mein Pistölchen gesammelt. Apropos Pistole: mit der schiesst man schon auf mittlere Entfernung ungefähr so präzise wie mit einem Siphon, besoffen auf einem Bein tanzend. Aber das Leben ist bekanntlich kein Ponyhof und die 9mm Automatikflitsche kein Scharfschützengewehr: mit etwas größeren Sidearms wird auch das Zielen leichter.
Der nächsthöhere Schwierigkeitsgrad ist schon eher geeignet. Auch für Einsteiger, imho. Da werden dann auch Dinge wie Ausdauer oder Hunger (‘ne Doppelklick-Wurst, irgendjemand?) richtig simuliert. Und die Schusswechsel werden schon spürbar schwerer. Rein in die Deckung, ordentlich Zielen, auf den Munitionsmangel achten. So muss das sein. Tipp: die Schnellfeuergewehre lieber früher als später auf Einzelschuss stellen.
Ich merke schon wieder: ich meckere zuviel. Weils halt Spaß macht. Die Sahnestücke kommen nicht zur Geltung. Unterm Strich find ich “Stalker” nämlich jetzt schon toll. Denn als ich zum ersten Mal bei nächtlichem Gewittersturm auf den von Militär bewachten Bahndamm zugeschlichen bin, auf der Suche nach dem Loch im Zaun, durch das ich schlüpfen wollte, während die Blitze für Sekundenbruchteile die Umrisse der Eisenbahnbrücke und der darauf befindlichen Zugüberreste erleuchtet haben, wurde mir schlagartig bewusst, wie dicht die Atmosphäre ist, die mir hier geboten wird. Für diesen Schlangensatz mit viel zu vielen Kommas müsste ich eigentlich bestraft werden. Aber bitte nicht mit Stalker-Entzug.
Demnächst mehr an dieser Stelle, wenn es wieder heisst: “Iss keinen grün leuchtenden Schnee, mein Sohn!”

Das ist so ein Spiel, bei dem ich a. hoffe, dass es wirklich erfolgreich wird und b. noch mehr hoffe, dass es einen Konsolenport gibt. Aber da stehen die Chancen wohl eher schlecht?!
Von einem Konsolenport hab ich jetzt noch nichts gehört. Dafür müsste das Interface aber auch nochmal generalüberholt werden.
Der neueste Witz ist übrigens der aktuelle Patch: damit funktionieren die alten Spielstände nicht mehr. Jetzt steh ich vor der Wahl zwischen “voller Hoffnung weiterspielen” und nem Neustart…
Doppelklick-Wurst *lol*
Gibts heut auch in der Kantine.
BSG?
Das mit dem Patch ist echt der Hammer. Hab ihn gleich installiert, da ich vllt. nur ne 1/2 Std. gespielt habe, war es nicht weiter schlimm.
Jepp.
Der angekündigte nächste Patch ist immer noch nicht erschienen. Und ich bin so gut wie durch…