Cave, die Erste

Freitag 9 November 2007

Ich mag Spiele, die einen fordern. Spiele die ohne absolute Fokussierung nicht spielbar sind. Natürlich kann man nicht nur solche Spiele spielen, das macht zumindest mein Hirn nicht mit, was aber nichts daran ändert, dass ich sie favorisiere. Wenn man sich nach einer Session ausgelaugt und “matschig” fühlt (wie nach einer 6 Stunden Abi-Klausur), aber auch irgendwie zufrieden (wie nach einer 6 Stunden Abi-Klausur), dann hat man das richtige Spiel erwischt.

Mushihime-sama ist so ein Spiel. Zumindest jetzt noch. Die Gefahr bei der oben beschriebenen Art von Spielen ist nämlich, dass das Gefühl der erschöpften Zufriedenheit ganz schnell in Frust, Unausgeglichenheit und kaputte Pads umschlagen kann. Keine Ahnung, ob mir das mit Mushihime-sama auch noch bevorsteht, bisher war es nicht der Fall.

Es handelt sich um ein vertikal scrollendes Bullet Hell STG (japanisch für ShooTing Game), auch Manic Shooter oder Curtain Fire genannt. Angesiedelt ist es in einer Blumen und Insekten Welt. Ein recht seltsames Setting für einen Shmup, normalerweise ist man ja gewohnt, ein Raumschiff oder zumindest aber einen Hubi zu kommandieren. Entwickelt von Cave, DER Spieleschmiede für Arcade Bullet Hell Shooter, wurde es 2004 von Taito released. Ein PS2 Port enstand 2005 und genau dieser liegt mir vor.

Die wichtigen Einstellungen sind zum Glück in Englisch gehalten, man kann also ohne jegliche Japanischkenntnisse direkt loslegen. Das Gameplay gestaltet sich grundsätzlich wie folgt: man fliegt durch die Gegend, versucht verzweifelt zu überleben und hält dabei Dauerfeuer gedrückt. Wobei Dauerfeuer nicht gleich Dauerfeuer ist, aber dazu später mehr. Wenn man dann in den Bullet-Teppichen mal gar keinen Ausweg mehr findet, zündet man eine Bombe. Diese neutralisiert mit sofortiger Wirkung alle gegnerischen Geschosse auf dem Bildschirm. Manche Kugeln verschwinden auch mit dem Besiegen des abfeuernden Gegners. Dies gilt jedoch bei weitem nicht für alle.

Zur Verfügung stehen einem drei unterschiedliche Schiffskonfigurationen:

Konfig // Ship Speed // Shot Range
1 (grün) // medium // medium
2 (rot) // slow // wide
3 (blau) // fast // narrow

Konfiguration 2 ist so gut wie unspielbar – anfangs macht sie zwar durchaus Sinn, da man mit seinem weit gefächerten Schuss alles wegräumt, wenn aber später ernsthaftes Ausweichen gefragt ist, hat man aufgrund der laaaangsamen Schiffsgeschwindigkeit ganz schnell verloren. Konfig 3 wird eigentlich nur von Profis bevorzugt, die sich das Spiel noch ein bisschen schwerer machen wollen, der Rest nimmt Mode 2. Es ist zwar durch das Aufsammeln von Power-Ups auch während des Spielens möglich, diese Konfig zu ändern (die Power-Ups sind mit Timern ausgestattet, die sie zwischen den Modi springen lassen), die richtige Auswahl ist aber trotzdem insofern wichtig, als dass man nach seinem Ableben mit der zu Beginn gewählten Konfig wieder startet. Und glaubt mir, dies ist häufig der Fall.

Zusätzlich zu Schuss und Bomben stehen einem sogenannte Options zur Seite. Es handelt sich um kleine Begleiter, die über eine recht ansehliche Feuerkraft verfügen. Man kann sie entweder links und rechts neben sich anordnen (Formation Option) oder sich selber wie einen Schatten verfolgen lassen (Trace Option). Dies lässt sich allerdings nur über den Zeitpunkt des Upgrade-Aufsammelns (jap, auch hier gibt es Timer) und nicht vor Start des Spiels festlegen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Trace-Anordnung aufgrund des konzentrierten Schusses besser für Bosse und die andere besser für normale Gegner ist.

Hier kommt auch das angesprochene Dauerfeuer ins Spiel. In Mushihime-sama ist das Gedrückthalten des Feuerknopfes nicht nur Garant für einen stetigen Geschossstrom, sondern auch für eine Halbierung der ursprünglichen Schiffsgeschwindigkeit. Je nach Einstellungen in den Spieloptionen (Punkt “rapid fire”) kann man jedoch einen zusätzlichen Knopf für eine andere Art Dauerfeuer bestimmen. Dieser liefert dann die gleiche Schussfrequenz, ist allerdings nicht mit demselben Geschwindigkeitsmalus versehen. Durch das kurze Antippen der Feuerknöpfe und das Kombinieren der beiden sind weitere unterschiedliche Schussfrequenzen und –stärken möglich. Man hat also gar mannigfaltige Wahlmöglichkeiten, ganz dahinter gestiegen bin ich aber noch nicht.

Es existieren zwei grundsätzlich verschiedene Spielmodi: “Arcade” und “Arrange”, wobei letzterer PS2 exklusiv ist. Im Arcade Modus kann man sich zudem zwischen “Normal”, “Maniac” und “Ultra” entscheiden. Während in “Normal” sehr wenige, aber dafür schnellere Kugeln unterwegs sind, hat mal in “Maniac” mit langsameren aber dafür umso mehr Geschossen zu tun. Der “Ultra” ist einfach eine Steigerung des “Maniac” Modus bis ins Lachhafte. Nicht weiter schlimm, denn im “Arcade” Modus hat man unendlich Continues.

Im “Arrange” Modus hingegen ist nach einem Kredit Schluss. Dafür startet man aber auch in Bestbewaffnung und mit 6 Options. Während man im “Arcade” die Anzahl der Schiffe und Bomben frei einstellen kann, ist dies hier nicht der Fall. 3 Bomben und 3 Schiffe müssen reichen. Trotz der auf den ersten Blick deutlich erhöhten Schwierigkeit finde ich den Modus für Anfänger gut geeignet, da man bei einem Treffer anstatt ein Schiff zu verlieren automatisch eine Bombe auslöst. Somit kann man sich in aller Ruhe Wege durch die verschiedenen Kugelmuster suchen und ist bei einem Treffer auf der sicheren Seite. Erst wenn man keine Bomben mehr hat, ist ein Schiff fällig. Das nächste hat dann aber auch wieder die drei Bomben.

Ausserdem hat “Arrange” immer den gleichen Schwierigkeitslevel, im Gegensatz zu “Arcade”. Hier kann man zusätzlich zu den Spielarten “Normal”, “Maniac” und “Ultra” noch die Schwierigkeit einstellen. “Very Easy” ist übrigens definitiv gelogen. Höher hab ich es noch nicht versucht.

Zusätzlich bietet das Spiel ein sehr ausgefeiltes und hochkompliziertes Scoring-System. Dies habe ich allerdings erstens noch nicht geblickt, zweitens wird das sowieso erst interessant, wenn man das Spiel in und auswendig kennt. Bir mir geht es nur ums nackte Überleben.

Dies gestaltet sich zwar schwer, aber nicht so schwer wie es aussieht. Hört sich komisch an, ist aber so. Es liegt sicherlich an der sehr kleinen Hitbox, zum anderen an der Geschwindigkeit der gegnerischen Geschosse. Je voller der Bildschirm wird, umso langsamer fliegen die Kugeln. Dies ist seitens der Entwickler so gewollt, ab einem bestimmten Bullet-Count wird das Geschehen auf dem Bildschirm verlangsamt. Da jedoch die PS2 nicht so leistungsfähig zu sein scheint wie die Arcade-Platinen, treten diese Slowdowns bei der Konsolenversion deutlich häufiger und auch massiver auf. Weswegen sich Mushihime-sama vortrefflich zum Posen gebrauchen lässt. Zuschauern lässt sich gerne mal ein “Boah. Sick. Wie machste das?” entreissen. Manchmal stellt man sich diese Frage übrigens im Stillen auch selber.

Gerade anfangs hat es sicherlich viel mit Glück zu tun, wie weit man im Continue-beschränkten “Arrange” Modus kommt. Mit der Zeit merkt man sich zumindest die gängigsten Schuss-Muster und kann diese bewusst durchfliegen. Was allerdings stark auffällt ist, dass die Leistung ab einem bestimmten Punkt nicht besser, sondern schlechter wird. Grund ist das Nachlassen der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Bei mir ist das nach spätestens einer Stunde, meist schon früher, der Fall. Zeigt denke ich mal sehr schön, was einem das Spiel abverlangt.

“Arcade” spiele ich hingegen ab und an auch mal zur Entspannung. Durch die unendlich vielen Kredits muss man hier nicht so am Ball sein. Ausserdem bekommt man hier das ganze Spiel zu sehen (in “Arrange” ist für mich derzeit beim dritten Levelboss Ende). Und das was einem der Maniac Modus bietet ist wirklich unglaublich. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der es schafft, bestimmte Angriffswellen des letzten Endbossses länger als 2 Sekunden zu überleben.

Hervorzuheben wäre noch der Soundtrack, dieser ist nämlich recht eigenwillig: während man hektisch um sein Überleben kämpft, wird man innerhalb der Levels mit Fahrstuhl-Musik beschallt. Bei Endgegnern ziehen Tempo und Intensität dann merklich an, um sich beim letzten Bossfight ins Orchestrale zu steigern. Hat was.

siehe auch:
Cave, die Zweite
Cave, die Dritte


Gespeichert in: PS2

13 Kommentare for 'Cave, die Erste'

  1.  
    9. November 2007 | 20:45
     

    Jesus …. der Endbosskampf sieht ja richtig nett aus.

  2.  
    9. November 2007 | 21:14
     

    Und das was man da sieht, ist noch die einfache Variante, da er durch die Options-Postionierung den Boss so effizient trifft. Dadurch halten die jeweiligen Patterns auch nur relativ kurz. Wenn ich den spiele, dauert das mindestens doppelt so lange. Meint auch doppelt so lange in diesem Wirrwarr ueberleben. Fuer mich ein Ding der Unmoeglichkeit.

  3.  
    10. November 2007 | 17:38
     

    Gott ich glaub ich würde keine 2 sekunden in dem Wirr warr überleben. Bin sowieso mehr der Ego Shooter Kerl. (oder halt Rollenspiel aber nur die am Rechner :) ). Aber Cave war schon immer berühmt für ihr Shooter. Hab hier ne Doku aus den Französischen TV über die Geschichte der Shooter Spiel und das Kapital über Cave ist klasse.

    PS: Wenn du die noch nicht hast und haben willst sag bescheid.

  4.  
    Thomasffff
    10. November 2007 | 23:12
     

    Wo kann man das spiel überhaupt kaufen ?

  5.  
    11. November 2007 | 03:59
     

    Ich wollte hier jetzt eigentlich was über den Endkampf schreiben, nach Ansicht des Videos hat sich aber dummerweise meine Kinnlade auf den Fußboden verabschiedet und bevor ich sie wieder aufgelesen habe, gestaltet sich das “In-Worte-Fassen” meiner Meinung etwas schwierig. Mehr als “Holy Moses” würde mir aber wohl eh nicht einfallen.

    Und ich Weichspüler finde Ikaruga schwer. ;)

  6.  
    11. November 2007 | 19:21
     

    Das Spiel ist afaik nur in Japan erschienen. Ebay halt. Und actionman: ich spreche kein franzoesisch. Bringt mir dann nicht soo viel..

    Ikaruga finde ich uebrigens auch schwer ;-)

  7.  
    12. November 2007 | 10:00
     

    Zu dem Shmuper-Dokudingen gibt es Untertitel die du dazu laden kannst.

  8.  
    12. November 2007 | 14:36
     

    WIe Aulbath schon schrieb , es gibt untertitel. Hab gestern noch mal Ikaruga gestern in meiner DC wieder mal durch gezockt. Gott die 360ig Version soll endlich kommen mit Co op über Netz :D

  9.  
    12. November 2007 | 16:46
     

    Ja, dann Link bitte! Worauf wartet ihr noch?!

  10.  
    12. November 2007 | 18:40
     

    “Boah. Sick. ”

    Japp. Genau das hab ich gedacht, als ich Fafu das erste Mal beim Spielen zusah. Allerdings ist die Hitbox echt klein und wenn dann noch ne ordentliche Portion Glück dazu kommt, kann man (also ich) auch schon beim ersten Versuch in den niedrigen Leveln ein paar wirklich schpektakuläre Angriffswellen überleben.

    Die lila Kugelmuster haben zusammen mit dem Soundtrack allerdings einen ziemlich hypnotischen Effekt und ich frage mich gerade, ob Cave seinen Spielern so irgendwelche Botschaften ins Unterbewusstsein pflanzt…

  11.  
    12. November 2007 | 21:28
     

    Urgs. Sorry, aber wer den Endboss länger als zwei Sekunden übersteht, der KANN sie nicht mehr alle auf dem Zaun haben. Soziales Leben? Bestimmt nicht existent.
    Ich würde wahrscheinlich vor lauter Panik schon direkt in die erste Kugel fliegen…

    ;-)

  12.  
    13. November 2007 | 17:31
     

    fufu Doku ist in der Post (die alte gelbe) , sollte so Donnerstag bei dir ankommen , hab keinen Link mehr und auch keinen Upload Platz mehr

  13.  
    13. November 2007 | 19:00
     

    Oh! Sehr nett von dir. Danke!

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