Call of Duty 4

Montag 19 November 2007

…ist nicht neu. “Call of Duty 4″ ist eigentlich ein mit Perwoll gewaschenes “Call of Duty 2″, reduziert um die Anteile, die mich genervt haben. Also das gehetzte Moorhuhn-Feeling und die allgemeine stressige Unübersichtlichkeit. Kurz: “Call of Duty 2″ fand ich scheisse. Aber der “Call of Duty 4″-Singleplayer (das Andere habe ich nicht gespielt) rockt die Hütte. Und ich frage mich immer noch ein bißchen, warum genau eigentlich. Denn es bleibt viel beim Alten.

Die Gegner sind mitunter strunzdoof und rennen wie vom Faden gezogen vor meine Flinte. Vielleicht ist deren Respawn-Faktor gerade deswegen so mörderisch hoch. Welche Horden da gelegentlich aus einem einzelnen Haus quillen, erinnert mich an diese Rekordversuche, die viele Kegelclubmitglieder und einen Fiat Panda beinhalten. Zum Glück ist der Reinkarnationsmodus nicht mehr unendlich lang. Das hat den Effekt, dass ich den Gegner heutzutage entweder aus der sicheren Deckung totklicken oder meinen Zeigefinger (und die Maustaste) durch beherztes Vorstürmen schonen kann. Das bringt mich direkt zum nächsten Punkt: einerseits orientieren sich die KI-Kollegen am Spieler, preschen also mit ihm zusammen vor oder bleiben in der Deckung. Andererseits hatte ich vor allem in den frühen Leveln zeitweise das Gefühl, dass “Call of Duty 4″ irgendwie ohne mich stattfindet. Wenigstens haben die Kollegen in diesen Momenten nicht mein Schußfeld blockiert, kurz bevor ich der Todesursache Nummer Eins zum Opfer falle und mal wieder diesen “Achte auf die Granatenwarnung, Hoschi” – Bildschirm lesen muss.

Was vergessen? Achja: “Call of Duty 4″ ist viel zu kurz. Der übliche Vorwurf. Aber es endet auch an einer Stelle, an der ich das Ende nicht wirklich schon vermutet hatte. Und ist damit in meinen Augen quasi der Gegenentwurf zum finalen Abschnitt von “Bioshock”.

Moment mal. “Gegenentwurf zu Bioshock”? Surprise, Surprise, das trifft auch auf die Story zu. Die ist natürlich komplett schwachsinnig. In “CoD4″ sind die Guten noch die Guten, die Bösen mal richtig, absolut unmotiviert und grundlos böse und kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri noch richtige kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri. Kenne deinen Feind und der Tag hat Struktur und so. Geschichte und vor allem Präsentation derselben sind der feuchte Traum einer Kreuzung von Michael Bay und Tom Clancy. Und jetzt kommt der größte Witz an der Sache: würde diese Kreatur tatsächlich existieren und würde sie Filme vom gleichen Schlage produzieren, käme ich den lieben langen Tag aus dem Kotzen nicht mehr raus. Bei Computerspielen LIEBE ich es.

“Call of Duty 4″ überzeugt mich natürlich nicht durch sein Spielprinzip. Es ist ein Shooter und will kein neues “Tetris” sein. Es besticht durch seine Inszenierung, genauso wie sein in Ehren ergrauter Urahn mit dem coolen Addon, liebevoll “Teil 1″ genannt. Und diese Inszenierung, my fellow Killerspieler, ist schlicht der Hammer. Das Tutorial ist gleichzeitig eine Art Skill-Prüfung, anschließend wird man sofort in einen Hubschrauber verfrachtet, von dem aus man als britischer Superhyperspezialsoldat im von Blitzen durchzuckten Beringmeer einen in Riesenwellen dümpelnden Frachter entern muss. Darauf folgt ein beklemmendes Intro in bester “Half Life”-on-Rails-Manier…. dann lässt die Intensität ein bißchen nach. Laute, krachende Massenschlachten stehen auf dem Speiseplan. Spielt die Demo und ihr wisst, was ich meine. Been there, done that. Aber der kluge Wechsel zwischen den Missionen als herumschleichender SAS – Soldat und dem mit dem Kopf durch die Wand brechenden US Marine entwickelt seinen ganz eigenen Sog. Auch, weil beide Protagonisten einem anderen Teil des selben roten Fadens folgen, wenn ihr versteht, was ich meine. Meine Lieblingsstelle ist allerdings jene, in der man als besagter Spezialeinheitenbrite im gegnerischen Hinterland durchs hohe Gras robbt, während die feindliche Armee sozusagen über einen drübermarschiert. Man liegt mitten in der Marschroute, darf natürlich nicht entdeckt werden und muss gaaanz langsam ausweichen, damit die bösen Jungs einem nicht auf die Finger treten. Dazu der Soundtrack… Hossa, das ist für meine Begriffe der Höhepunkt in einem an solchen Höhepunkten wahrlich nicht armen Spiel. Der Stoff, aus dem digitale Dramen sind. Großartig!

Infinity Ward lässt sich natürlich nicht lumpen und packt als Sahnehäubchen ein furchtbar kitschiges Ende obendrauf, so zum Würgen heroisch, dass die Schwarte kracht. Darf aber im vorliegenden Fall nur so und nicht anders sein. Mehr davon, Leute. Ich will ganz klar ein Addon sehen!

Ach ja, wer es noch nicht durchgespielt hat: Abspannsitzenbleiber bekommen mehr für ihr Geld.


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7 Kommentare for 'Call of Duty 4'

  1.  
    21. November 2007 | 16:32
     

    Ach Mensch. Jetzt muss ich CoD4 auch noch spielen.
    Ich brauch dringend Urlaub.

  2.  
    21. November 2007 | 19:58
     

    Also da ich ja ein Kind der 80ziger bin. Würde in den Film Call of Duty 4 mit Michael Biehn als SAS Man , Sean Connery als böser Russe. Jake Gyllenhaal als GI sofort rein rennen. :D

    Das Spiel ist genau wie ein guter 80er Actionfilm , halt solche Dinger wie Navy Seals oder Alarmstufe Rot. Hey da wusste man morgens bei Frühstuck schon, wenn man umballern darf.

    Oder wie du schon den grössten Autoren seit Gott zitiert hast da waren kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri noch richtige kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri.

    Wenn Infinity Ward in der Art einen fünften Teil raus bringt ist der blind gekauft.

  3.  
    21. November 2007 | 21:31
     

    Interessanter Vergleich, das mit den 80er-Jahre-Streife. Aber ich finde, dafür ist mir Cod4 dann wieder nicht dreckig genug.

    Egal. Michael Biehn in der Hauptrolle? Ich bin dabei!

  4.  
    abroxas
    21. November 2007 | 21:51
     

    ich bin ja eigentlich einer, der nicht sofort jeder guten grafik hinterhersabbert, aber das Rim Shading in CoD4 sieht wohl einfach mal totschick aus.

    allerdings kam es mir nicht so vor, dass die KI sonderlich dumm war. meine kollegen haben einigermaßen gewissenhaft gehandelt und der gegner hatte auch ein paar überraschungen auf lager. der grund, warum sie manchmal wie bekloppt vor’s fadenkreuz laufen liegt wohl darin, dass ihr über-die-mauer-spring-script noch nicht ganz zu ende gelaufen ist…

    und endlich auch mal einer, der United Offensive lobt. mit dem “TU WAS – EGAL WAS!”-showdown.

  5.  
    21. November 2007 | 23:21
     

    Vor allem ist die Grafikengine mal schön performant.

    United Offensive war doch super. Alleine schon wegen diesem “Handlungsbogen” mit dem britischen Bordschützen, der über Holland abgeschossen wird und sich mit dem dortigen Widerstand zusammentut.

  6.  
    2. Dezember 2007 | 11:13
     

    Ich spiele eigentlich keine Shooter die Kriegsszenarien beinhalten. Trotz allem, bestimmt auch durch die guten Bewertungen überall, habe ich mir dem Demo reingezogen. Und auch ich bin begeistert. CoD4 steht auf meiner EinkaufsWeihnachtsliste!

  7.  
    21. Dezember 2007 | 16:38
     

    würde diese Kreatur tatsächlich existieren und würde sie Filme vom gleichen Schlage produzieren, käme ich den lieben langen Tag aus dem Kotzen nicht mehr raus. Bei Computerspielen LIEBE ich es.
    Genau das kann ich nicht verstehen. Diese Schwarzweißmalerei nach feinstem Ami-Patrioten-Schema ist im Spiel genauso nervig wie in den vom US-Militär gesponserten Hollywood-Gehirnwäsche-Blockbustern.

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