Eines schönen Tages auf Heise.de: Psychotherapeuten fordern Verbot von “Killerspielen”
“Psychotherapeuten fordern ein Verbot von sogenannten “Killerspielen”. Solche Computerspiele, in denen Jugendliche für das Töten und Foltern von Menschen belohnt werden, würden zunehmend unter dem harmlosen Begriff “Ballerspiele” vermarktet…”
Da geht mir ja schon wieder die Hutschnur hoch. Es ist doch genau umgekehrt: “Killerspiel” ist ein Begriff, der erst in den letzten Jahren als bewusst abwertende Bezeichnung verwendet wurde, und zwar ausschließlich von Verbotsbefürwortern. Erst nach und nach hat er sich durch die dauernde Wiederholung dann auch als “valider” und “neutraler” Begriff eingebürgert. Das ist ein klassisches Mittel der Propaganda: Begriffe für die eigenen Zwecke prägen und besetzen. Und wenn man dann versucht, sich mit den korrekten Ausdrücken zu wehren, wird der Spieß schnell umgedreht und man steht als sprachverdrehender Quacksalber da. Wie im obenstehenden Zitat. Worte und deren Bedeutung sind die Grundlage jeder Debatte und wir Verbotsgegner haben uns da sozusagen schon den Boden unter den Füßen wegreißen lassen. Mir rotieren jedes Mal die Eingeweide, wenn ich dieses Wort irgendwo hören oder lesen muss. Seriöse Nachrichten erkennt ihr übrigens beispielsweise daran, dass noch nicht des Verbrechens überführte Menschen als “mutmaßliche Verbrecher” statt als “Verbrecher” beschrieben werden. Heise verfährt da ähnlich und setzt den Begriff “Killerspiel” in Anführungszeichen.
Ach, ausserdem will ich endlich mal dieses ominöse Folterspiel sehen, von dem immer alle reden…
“Killerspiele sind wie Landminen für die Seele”.
Neee, sind sie nicht. Denn ich hab’ nach jahrelangem BALLERspielkonsum immer noch meine seelischen Beine. Tut mir leid, dass ich hier mal wieder das billige und vollkommen überstrapazierte Default-Argument bemühe. “ICH bin aber noch normal.” Aber mal unter uns: wo versteckt sich denn im obigen Satz bitte der Inhalt? Der einzige Zweck ist doch mal wieder Abwertung und Diskreditierung mit einem bildhaften Vergleich, der auch noch kräftig auf die Tränendrüse drücken soll. Assoziationen zu verkrüppelten Kindern aus afrikanischen Kriegsgebieten sind nicht beabsichtigt und werden nur rein zufällig geweckt. Ne, is’ klar. Polemisch rumblöken kann aber jeder Idiot, ich zum Beispiel: “Die GwG ist nach eigenen Angaben der größte Fachverband für oberflächliche Betroffenheitsheuchler in Europa.” Da, bitte. Das ist genauso flach, abwertend und beknackt. Aber doch nicht richtig. Da bin ich wieder beim Niveau dieser ganzen Computerspiel-”Debatte”. Dieses ist nämlich in solchen Statements nicht vorhanden. Gelegentliche Ausnahmen bestätigen die Regel. Einige dieser Ausnahmen nähern sich ja inhaltlich den Verbotsgegnern an und sind in den Augen der Moralhüter nichtexistent oder falsch und damit nicht als Argument akzeptiert. Auch eine schöne Variante der Propaganda. Findet sich heutzutage recht häufig. Verbirgt sich auch hinter Aussagen wie “wer nicht für uns ist, ist gegen uns” oder “Datenschutz ist Täterschutz“.
“Die Medienverwahrlosung junger Menschen hat in den vergangenen Jahren ein derart erschreckendes Ausmaß erreicht, dass die politisch Verantwortlichen umgehend handeln müssen…”
Was ist mit der körperlichen Verwahrlosung? Erstmal muss das Kind was zu futtern haben und sauber sein. Dann kommt die Bildung. Und wenn dann so ein minderjähriges Balg ein Computerspiel erwirbt oder geschenkt bekommt, auf dem ein auf der Spitze stehendes rotes Viereck prangt, haben wir zumindest schon ein Problem identifiziert. Aber darauf komme ich gleich nochmal zurück.
“…bevor eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen vom Strudel der Gewalt mitgezogen wird.”
Wundert mich ehrlich, dass hier niemand eine Verbindung zu den Vorkommnissen in den Pariser Vororten herstellt. Ups. Nicht, dass ich jemanden auf Ideen bringe…
“Immer mehr und immer jüngere Kinder verlören ihr natürliches Mitgefühl, wenn sie stundenlang in brutalste Action-Welten eintauchten.”
Immer das alte, alte Argument und immer wieder, die gleiche, alte, alte Erwiederung. Es ist SO ermüdend. Kämpfen gegen Windmühlen, reden gegen die Betonwand. Seufz. Ich probiere es trotzdem noch mal: der Scheiss, den die Kinder da in den Frontal21-Berichten immer zocken, ist nicht für deren Hände bestimmt. Ausserdem haben Kinder nicht stundenlang Medien zu konsumieren. Total egal, ob es dabei um Winnie Puh oder den Master Chief geht. Da bin ich selbst mal konservativ. Und ja, selbst wenn alle Eltern sich mit dem Inhalt ihrer Kinderzimmer auseinandersetzen und sich alle Beteiligten für die lückenlose Beachtung von objektiven (also nicht von der Industrie beeinflussten) Altersfreigaben einsetzen, selbst dann werden immer noch Kinder irgendwie an Zigaretten kommen, die sie in der hintersten Ecke des Schulhofs rauchen. Genauso wie ihr Eltern und Politiker und Betroffenheitspoeten auch. Damals, als ihr selbst noch jung gewesen seid.
Wenn ihr dann das letzte Computerspiel verboten habt, werden sich eure verdummten und verfetteten Kinder von “Dead Rising” erheben, vor die Türe treten und da draussen vom Bus überrollt werden. Oder sie fahren damit zum Komasaufen. Dann viel Spaß beim Magenauspumpen, gell!
Wie gesagt, polemisch rumkaspern kann ich auch. Nur bringt das überhaupt nichts – ausser verhärtete Fronten. Ich will doch nichts weiter, als das mein Hobby – gerade in seinen an Erwachsene gerichteten Ausprägungen – gesellschaftlich akzeptiert wird. Aber dafür muss man miteinander reden können. Und zwar sachlich. Deutschland hält sich gerne für das “Land der Dichter und Denker”. Aber in diesem Politik- und Medienzirkus erhält derjenige Gehör, der am lautesten “Panik!” schreit und dabei aggressiv und hochemotional Themen pauschalisiert. So kann das nichts werden.
Zum Schluß noch der Hinweis auf den Don Quijote, der mich zusammen mit dem Heise-Artikel zu diesem Post inspiriert hat.
Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heisst:
Rewind. Repeat.

Grobi net aufregen, bringt nix. Früher war es die Horrorfilme, der Heavy Metal, nachvor der Rock, und davor Elvis. Lass die mal labbern.
Ne Ne was ne Woche.
Mein tropfender Wasserhahn macht zwar Geräusche, aber deswegen fange ich mit ihm keine Diskussion an. Ich denke man muss sich nicht gegen jeden Vorwurf wehren, der aus irgendeiner Ecke kommt.
Mal kurz schauen, GwG, Gesprächstherapie … Ich habe also ein Problem und lasse mich auf die Art behandeln. Aber hoppla, meine Krankenkasse bezahlt ja garnicht; Methode nicht anerkannt. Tja, Psychophilosophie schön und gut, aber Bauchgefühle sind keine Fakten.
Wer brutale Filme guckt wird zum Gewalttäter, klingt logisch, is aber falsch.
Das Problem an sich ist alt wie die Welt, gabs bei Comics, Filmen, Musik und dann erst diese Bücher; man denke an die Leiden des jungen Werthers, das hat damals schon unsere arme Jugend verdorben und Schuld hat nur dieser Goethe in seinem Sturm und Drang und was danach noch so kam.
Ein Generationswechsel Bitte!
Es ist doch alles so ein Müll. ICh ertrage dieses ganze Pseudo-Expertentum nicht mehr. Ich fange an die Massenmedien zu hassen. Lasst uns doch einfach alle in Ruhe zocken.
Die Experten ignorieren, und den Leuten auf der Straße einfach sachlich erklären was wirklich passiert, alternativ folgendes Video zeigen: http://uk.youtube.com/watch?v=R9JRm3iQQak
Damit haben sich praktisch alle Diskussionen erledigt.
Solange jedenfalls Halb- und Unwahrheiten in “Experten”diskussionen diskutiert werden, gibt es für mich keine Grundlage mir darüber einen Kopf zu zerbrechen.
Aulbath: da oben mit “Don Quijote” habe ich auf ein Interview mit dem Typen verlinkt.
Shooterhonk: ich frage sich auch, wie es um die journalistische Qualität bei Themen bestellt ist, mit denen ich mich nicht so gut auskenne…
Man kann den Link nicht oft genug posten
Davon abgesehen, dieser ganze Hickhack geht mir einfach nur noch auf die Nerven…
Ehrlich gesagt habe ich die gesamte Killerspieldebatte so oder so gewaltätig satt. Ich habe auf exp.de vor einiger Zeit mal ein Special verfasst (kann ich ja noch mal raussuchen wenn bedarf besteht), was genau dieses Thema behandelte. Allerdings aus einem anderen Blickwinkel. Nämlich dem, dass es vollkommen egal ist, wie gerade in der heutigen Zeit über Spiele gewettert wird.
Wieso? Rechnet mal 10 bis 20 Jahre dazu. Ratet mal, wer dann im Bundestag sitzt und sich über seltsame Verobtsgesetze wundert…