Es gibt Spiele, auf die man eigentlich gerne mal ein Auge werfen würde. Aber irgendwie ist die innere Hürde, dafür offizielle Zahlungseinheiten im Gegenwert eines Vollpreisspiels über den Thresen schieben, nur schwerlich zu überwinden. Für solche Fälle gibt es Videotheken… oder Weihnachten. In meinem Fall lagen also nun Mario und Sonic gänzlich unerwartet unter dem Oh-Tannenbaum und brachten nur wenig später die Arme zum Schmerzen.
Früher, als das Gras noch grün und “Knight Rider” cool war, gab es auch schon solche Spiele, die die Arme oder besser: die Handgelenke strapazierten. Nicht, was ihr jetzt denkt (ihr Schweine) – ich rede von den Epic Epyx-Spielen. “Summer”, “Winter”, “World” und “California Games”. Diese Joystick-Killer, für die der Competition Pro erfunden worden ist.
Was man die Gefahr von Verausgabung durch massive Rüttelaktivitäten angeht, füllt “Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen” die Fußstapfen seiner Ur-Urahnen durchaus zufriedenstellend aus. Nur leider reicht seine Puste nicht über die volle Distanz, um mal eine sportliche Metapher zu bemühen.
Lasst mich erstmal schnell die Oberflächlichkeiten durchgehen:
Mario und Sonic befinden sich tatsächlich in ein und demselben Spiel, welches sich als weitere Minispielesammlung für Nintendos Wii präsentiert. Neben dem Blauen und dem Roten gibt es noch weitere Charaktere, von bekannt (Wario) bis eher unbekannt (Vector, das grüne Schnappodil), die in einer Reihe von sportlichen Disziplinen gegeneinander antreten.
Multiplayer? Check, und zwar per Splitscreen. Leider, leider, leider stehen im Mehrspieler-Modus nur jene Disziplinen zur Verfügung, die als Einzelspieler durch das Absolvieren sogenannter “Zirkel” (also einer Aneinanderreihung einzelner Disziplinen inklusive Gesamtwertung) freigeschaltet werden müssen. Sowas fanden wir schon immer doof, Sega.
Eine Reihe von Disziplinen wirken in Gänze oder in Teilen geklont. Das sind – ganz im Geiste der 80er-Jahre-Rüttelei – die Laufereien, oder jene, die mit Anlaufen zu tun haben. Also werden beinahe alle Leichtathletik-Disziplinen mit heftig gewackelten Wiimotes durchgeführt (inklusive aufgepflanztem Nunchuck). Lediglich beim Hammerwerfen wird der Controller nicht geschüttelt, sondern gerührt. Und die Fortbewegung beim Wassersport erfordert je nach Schwimmstil leicht anders gewackelte Wiimotes. Schweißtreibend und Krampferzeugend äussern sich diese Aktivitäten allerdings in jedem Fall.
Bei Weitsprung, Dreisprung und Hochsprung sitzt man mitunter ratlos vor dem Bildschirm. Wieso habe ich jetzt gerade wieder übertreten oder verrissen? Sowohl die Steuerung als auch deren Beschreibung sind nämlich hinreichend wenig präzise. Letztere steht bei Bedarf vor Antritt der Disziplin zwar auf Abruf zur Verfügung, aber nur als ungenaue und langatmige Textbeschreibungen. Das kommt unterm Strich ziemlich lieblos rüber, ein bißchen Animation und Sprachausgabe hätten an der Stelle Wunder gewirkt. Stattdessen wirken die Controller-Bewegung und die Aktion auf dem Bildschirm manchmal ziemlich unzusammenhängend.
Etwas naturnäher geht’s bei zum Beispiel beim Skeetschießen zu. Da heisst es Point and Click, wer hätte das gedacht? Beim Bogenschießen darf man die “Sehne spannen”, in dem das Nunchuck nach hinten gezogen wird. Welches übrigens ein eigenes Fadenkreuz auf den Bildschirm wirft, das vor dem Schuss mit dem der Wiimote übereinandergelegt werden muss. Es braucht zwei ruhige Hände und ein Auge auf der Anzeige der Windgeschwindigkeit, dann trifft man mit ein bißchen Übung auch ein Scheunentor. Gar nicht so schlecht, das. Der Knaller im Paket ist in meinen Augen das Tischtennis, das wie eine simplere, schnellere Version vom “Wii Sports”-Tennis daherkommt. (Wie ist eigentlich “Rockstars Tischtennis” in der Wii-Version so?) Gibt’s übrigens auch in einer Comicvariante, nennt sich dann “Traumdiszplinen” und bietet eine Spezialattacke. Genauso wie das Fechten, das sich gerade in der Traumversion mit dem Spezialangriff und der Lebensenergieleiste so anfühlt wie ein 2D-Beatemup. An der Stelle fragt man sich kurz, wieso nicht das ganze Spiel im Stil dieser Comicsportarten gehalten ist, siehe “Super Mario Strikers“… Der sinnlose Höhepunkt dieser Traumdisziplinen ist eine Art “Mario Kart zu Fuß”. Und das ist genau das, wonach es sich anhört: “Mario Kart’s” Gaspedal ist in dem Fall die Fortbewegungsmechanik der Laufdisziplinen. Schütteln, schütteln, schütteln. Eine gefühlte halbe Stunde Controller-Schütteln später musste ich dann meine Armmuskulatur austauschen lassen. Aua.
Rudern, als Vorletzte Sportart für heute, ist doof. Nee, da wird nicht lustig mit den Plastikpaddeln geplanscht, sondern wieder nur gewackelt und als Dreingabe müssen im Stile von Quick-Time-Events immer wieder die richtigen Buttons gedrückt werden. So verhält es sich übrigens auch beim Trampolinspringen, hier muss ich in kürzester Zeit die angezeigten Knöpfe und Wiimote-Wackler unterbringen, um tollkühne Sprünge durchzuführen. Reines Reaktionsspielchen, aber im Vergleich zum Rudern machts erstaunlich viel Spass.
Was die Spielmechaniken von “Mario und Sonic” angeht, hagelts also ein bißchen mehr Schatten als Licht. Schade, mit einer größeren Prise Herzblut wäre da durchaus noch was drin gewesen. Gleiches gilt auch für die stellenweise ärmliche Präsentation: neben den bereits angesprochenen Texttafeln wirken die Stadioninsassen ziemlich sediert und die Siegerehrungen will man nach dem zweiten Sehen nur noch entnervt wegdrücken.
Wesentlich nerviger als das ist das unausgegorene Balancing der Schwierigkeitsgrade. Gerade eben marschiert man noch stramm durch die Zirkel, nur um sich dann bei Erreichen des nächst höheren Levels nach einigen Fehlversuchen frustriert eine PS3 um den Hals zu binden und damit zum Hafenbecken zu laufen. Da erfreut man sich dann an Kleinigkeiten wie zum Beispiel Bowser’s herzallerliebster Laufanimation oder dem pinken Skeetgewehr von Peach. Apropos Peach: mit dem, was die da als Sportdress trägt, geht man in prüderen Ländern nicht mal an den Strand… Der Preis für den unnützesten Spass geht übrigens an das Aneindernschlagen von ‘mote und ‘chuck, um die Zuschauer zum Anfeuerungsklatschen zu animieren. Bringt spielerisch eher gar nix, macht aber Laune.
Als Tüpfelchen auf dem i des verschenkten Potentials und der verpassten Gelegenheiten bleibt nur noch eine Frage zu klären:

Wenn ich das so lese, bekomme ich mal wieder Lust auf eine anständige Partie mit den Epyx-Klassikern und Joytick-Rüttelorgien (die übrigens mit dem Quockshot besser zu bewältigen waren, weil man da nur den Joystick als ganzes schütteln mußte). Aber Mario und Sonic können mir auch weiterhin gestohlen bleiben
Das find ich immer sowas von doof. Da will man gleich im Multiplayer loslegen und kann nur den 1. Zirkel spielen.
Was mich auch noch nervt:
Wenn ich schon den Nunchuck nicht benötige, warum muss ich diesen zwingend von der Wiimote trennen? Bei RaymanR.R. gehts doch auch, dass man den Nunchuck einfach nicht benutzt.
Die Batterieansage. Muss das ein Spiel machen? Vor allem kann man locker noch 1 Stunde spielen, bevor man die Batterie tauschen muss. Das Spiel nervt aber die ganze Zeit kräftig, dass man doch bitte die Batterie tauschen soll. Ächz.
Ansonsten ist es weiteres Partyspiel, dass durchaus Spaß macht. Nichts besonderes, aber OK.