R.Y.U.

Mittwoch 13 Februar 2008

Es wird so langsam Zeit, dem Namensgeber unseres Blogs zu huldigen und ihn genauer vorzustellen. Ich weiss nicht, ob er der erste Ryu war, der seinen grossen Auftritt in der Welt der Videospiele hatte, mit Sicherheit aber ist er der bekannteste. Auf Englisch wuerde man wohl sagen “iconic”. Der Archetyp des einsamen Kriegers. Er ist die praegende Figur saemtlicher Versus Fighter, derart ausschlaggebend fuer das Genre, dass man in fast jedem Spiel einen Charakter findet, der an ihn erinnert, sei es im Aussehen oder in der Art, wie er kaempft. Auch in der Street Fighter Serie selber gibt es einige, die an ihn und seinen Kampfstil angelehnt sind: am bekanntesten duerften sein Trainingspartner und Bruderersatz Ken Masters und der gefallene Schueler Akuma sein, aber auch Dan Hibiki und Sean Matsuda haben bei ihm abgekupfert. Diese Jungs sind auch als “shotos” bekannt, benannt nach Ryus Kampfstil – dem Shotokan Karate. (Der Name wurde in der englischen Version des Spiels eingefuehrt, im Original nennt sich der Stil Ansatsuken. Aber dies nur am Rande.)

Kurz zu seinem Werdegang: als Waisenkind wird er von einem grossen Karate-Lehrmeister namens Gouken wie ein Sohn aufgenommen und in der Kampfkunst Ansatsuken unterwiesen. Vielleicht erklaert sein Waisenstatus die Tatsache, dass er nicht mit einem Nachnamen gesegnet ist. Wie dem auch sei, spaeter stoesst auch Ken Masters dazu und gemeinsam bereisen sie im Alter von 23 Jahren die Welt, um ihr Koennen unters Volk zu bringen. Sprich, um Aersche zu treten. Zu diesem Zweck nehmen sie am “World Warrior” Turnier teil. Hier steht Ryu im Finale gegen Sagat am Rande einer Niederlage, doch getrieben von unbaendigem Siegeswillen und krankhaftem Ehrgeiz wendet er eine Technik an, die man getrost als die dunkle Seite der Macht bezeichnen kann: Satsui no Hadou. Er gewinnt das Turnier und verletzt Sagat schwer, eine tiefe Narbe quer ueber die Brust wird ihn Zeitlebens an diesen Tag erinnern.

Als Ryu bewusst wird, was er da gerade getan hat, ist er zutiefst schockiert und beschliesst, diese Technik nie wieder anzuwenden und seine dunkle Seite fortan zu unterdruecken. Dies stellt sich aber nicht als sonderlich gesund heraus, denn in der Folge uebernimmt die dunkle Seite manchmal das Kommando und tritt dann unter dem Alias “Evil Ryu” an, vielleicht ein schwerwiegender Fall von Persoenlichkeitsstoerung, vielleicht aber auch ein hypothetisches “was haette sein koennen”. Dieser andauernde, innere Kampf zwischen Gut und Boese jedoch ist es, der ihn antreibt und ihn an zwei weiteren “World Warrior” Turnieren und insgesamt 30 Spielen teilnehmen laesst. Wer glaubt, dass in SF4 die Geschichte weitergesponnen wird und ein viertes Turnier stattfindet, ist genau wie ich einem Irrtum aufgesessen. Im neuesten Teil der Serie wird es nach offizieller Verlautbarung um die Geschehnisse zwischen Turnier 2 und 3 gehen.

Was nicht viele wissen, die Figur des Ryu ist einer realen Person nachempfunden: Yoshiji Soeno, dem Entwickler des Shidokan-Karate. In den 70ern bewegte die aktiven Kampfsportler die Frage, welche Kunst die ueberlegenere sei: Karate oder Muay Thai. Bereits in den spaeten 50ern hatte sich eine Delegation japanischer Karateka auf den Weg nach Bangkok gemacht, um dies herauszufinden. Sie gewannen zwar 2 von 3 Kaempfen, doch ihr Anfuehrer wurde von dem Kapitaen des Muay Thai Teams in der ersten Runde ausgeknockt. So machte sich 1974 Soeno alleine auf den Weg nach Thailand, um den Ruf des Karate wieder herzustellen. Bevor er jedoch die grossen Kaempfe bekam, sollte er sich erstmal in der Provinz beweisen. Nachdem dies geschafft war, wurde er fuer einen Kampf gegen einen Schueler des zu der Zeit besten Muay Thai Kaempfers zugelassen, dessen Kampfname “Dark Warrior” lautete. Er besiegte ihn und weckte so endgültig die Aufmerksamkeit von Reiba “Dark Lord of Muaythai” dem Meister, sozusagen dem Spielendgegner. Er selber wollte jetzt den Karateka in die Schranken weisen. Bevor es allerdings dazu kommen konnte, wurde Reiba von Attentaetern eines Gluecksspielsyndikates erschossen. Eben dieser Erfolg des Karate in Thailand wurde mit dem Sieg Ryus ueber Sagat im ersten “World Warrior” Turnier thematisiert. Genaueres gibt es hier.

Was die Frage der Glaubwuerdigkeit anbelangt (es klingt zugegebenermassen wie eine Raeuberpistole): manche Details moegen erfunden sein, auch die angegebene Quelle ist nicht die glaubwuerdigste (dafuer aber die detaillierteste, die ich finden konnte). Unstrittig ist aber, dass sich Soeno mit dem erwaehnten Ziel auf die beschriebene Reise nach Thailand begeben hat und erfolgreich war.

But now to something completely different: ich weiss nicht, ob es Euch aufgefallen ist, aber Ryu scheint einer der meistverwendeten Namen fuer Videospiel Protagonisten zu sein. Haengt sicherlich damit zusammen, dass viele Spiele aus Japan kommen und Ryu auf Japanisch “Drachen” “Drache” bedeutet. Und wahrscheinlich auch so Ryu im Land der aufgehenden Sonne ein weit verbreiteter Name ist. So aehnlich wie bei uns Peter, Philipp oder Horst.

Hier die Ryus, die ich auf die Schnelle finden konnte, vielleicht kennt Ihr ja noch andere. Falls dem so ist, seid bitte so nett und benennt sie in den Kommentaren, eine kurze Beschreibung der Person waere super. Vielleicht kommen wir hier so zu einer nahezu vollstaendigen Sammlung aller Ryus der Videospielgeschichte.

Breath of Fire
Ryu ist ein Krieger, der in der Lage ist, sich waehrend des Kampfes in einen Drachen zu verwandeln. Und kann laut Wiki auf der Uebersichtskarte angeln. Oookay.

.hack
Ryo Misaki, der Spieler von Haseo, einem Player Killer Hunter. Auch PKK genannt. Hm, da faellt mir ein, das wollte ich schon immer mal spielen.

Ninja Gaiden / Dead or Alive
Der Ninja Ryu Hayabusa treibt seit Jahrzehnten den Boesen die Flausen aus und laesst sich auch gerne mal auf Kampfsportturnieren sehen.

Art of Fighting / King of Fighters
Ryo Sakazaki, der fast ohne es zu wissen seinen Vater getoetet haette und einen besten Freund namens King hat. Geruechten zufolge soll da mehr als reine Freundschaft im Spiel gewesen sein. Naja, war ja fast zu vermuten, also ich mein, wer die Hose so hoch traegt…

Shen Mue
Ryo Hazuki ist auf der Suche nach dem Moerder seines Vaters. Fuer den romantischen Part sorgt hier eine Frau: Nozomi Harasaki.

Yu-Gi-Oh!
Ryo Bakura, guter Freund des Protagonisten Yugi Moto. Ein Umfaller, anfaellig fuer Avancen des Boesen.

Need for Speed: Pro Street
Ryo. Von ihm erfaehrt man nicht mal den Nachnamen. Endgegner.

Ach, und falls ihr euch wegen der fehlenden Umlaute wundert: Habe mir extra fuer diesen Artikel eine amerikanische Tastatur zugelegt, weil da Ryu fast nebeneinaner steht..


Gespeichert in: Ryu

7 Kommentare for 'R.Y.U.'

  1.  
    13. Februar 2008 | 21:54
     

    Ryu bedeutet nicht “Drachen” sondern “Drache”. Ausserdem ist “Ryo” doch ein ganz anderer Name. “Peter” und “Paul” sind ja auch nicht das gleiche…

  2.  
    14. Februar 2008 | 10:04
     

    Genau, man muss schon sehr differenzieren zwischen “Drachen” und “Drache”.
    Letzteres meint tatsächlich das Fabelwesen, während ersteres sich auf die Dinger bezieht, die man an einer Leine in den Himmel steigen läßt. Wahlweise auch gerne als Lenk-Drachen mit zwei oder 4 Schnüren ;-)

    Ansonsten: geiler Artikel!

  3.  
    14. Februar 2008 | 11:54
     

    Okay, danke für den Drachen-Hinweis. Ist korrigiert. Und danke für das Lob.

    Die Sache mit “Ryu” und “Ryo” sehe ich nicht wie “Peter” und “Paul” sondern eher wie “Philip” und “Philipp” oder wie “Gabi” und “Gaby”. Lasse mich da aber gerne eines besseren belehren.

  4.  
    Milage
    15. Februar 2008 | 15:51
     

    “Though King is often at war with her own sex, she appears to not be so with her sexuality and as well has having an implied pregnancy, she seems to be attracted to Ryo Sakazaki.” – Wiki

    Da scheint jemand bei seinem Absatz über Ryo Sakazaki nicht gut recherchiert zu haben…

  5.  
    16. Februar 2008 | 18:22
     

    Nee, da hat tatsaechlich jemand geschlampt. Werde denjenigen zur Rede stellen. Zum Glueck haben wir so aufmerksame Leser. ;-)

  6.  
    Silenius
    21. Februar 2008 | 19:46
     

    Kein Wunder, dass er der Prototyp des einsamen Kriegers ist, denn bei mir lag
    er immer einsam… im Staub.

    Gegen den Tiger Uppercut hatte er einfach keine Schnitte, Bruderliebe hin und her.

    - Ken

  7.  
    29. März 2008 | 20:06
     

    Jetzt muss ich auch mal korrigieren: der “Tiger Uppercut” ist ein Sagat Move.

Schreibe einen Kommentar

(erforderlich)

(erforderlich)


Hinweise zu den Kommentaren
Zeilen und Absätze werden automatisch umgebrochen. Die E-Mail Adresse wird nicht angezeigt.

Um den Kommentar zu formatieren bitte die Funktionsbuttons benutzen.


RSS Feed zu diesem Beitrag | TrackBack URI