Something wicked this way comes

Samstag 12 Juli 2008

I didn’t like the way the show started, but they had given me the best seat in the house, front row center.

“Max Payne” wandert jetzt also ins Kino, die Hauptrolle gespielt von Marky Mark. Der Typ soll einen gebrochenen Cop spielen (der im ersten Teil zugegebenerweise die ganze Zeit so guckt, als hätte man ihm in die Kniescheibe geschossen). Zuerst rollten sich mir bei dem Gedanken die Fußnägel auf, packten die Koffer und wollten nach Acapulco auswandern. Auf der anderen Seite hab’ ich mich auch schwer im neuen James Bond-Konzept und -Darsteller getäuscht. Belassen wir es vorerst bei: ich bin in der Darstellerfrage vorsichtig pessimistisch.

The truth was like a green crack through my brain. Weapon statistics floating in the air, glimpsed out of the corner of my eye. The repetitious act of shooting, time slowing down to show off my moves. The paranoid feeling of someone controlling my every step. I was in a computer game. Funny as Hell, it was the most horrible thing I could think of.

Nur: wie soll man “Max Payne” denn bitteschön adäquat verfilmen? Klar, die Spielmechanikbuchführung weist mehr Soll als Haben aus, aber atmosphärisch… meine Güte, dieser bis ins Knochenmark tiefschwarze Mix aus graphic novel- und Filmstilmitteln, gewürzt durch einen großartigen Off-Kommentar der Livefeed direkt aus Payne’s Oberstübchen ist, in dessen Rahmen er dabei quasi im Vorbeigehen mehrere Dutzend gänsehautreife Dialog Monologzeilen für die Ewigkeit aus dem Handgelenk schüttelt… Ja, für nichts weniger als die Ewigkeit, mein Damen und Herren! Und das Beste ist: die Fortsetzung steht dem in _nichts_ nach. Mann, ich freu mich schon wieder wie ein Schnitzel, wenn ich nur darüber nachdenke. Aber zurück zum meinem abgewürgten Satz von vorhin: die dichte Atmosphäre der Spiele sucht Ihresgleichen – wie soll das alles bloß auf der Leinwand funktionieren? Wird das eine 1:1 Verfilmung – also sozusagen ein Shot für Shot Remake – dann rennt Wahlberg in einer einzigen, unendlichen Actionszene mehrere hundert “the flesh of fallen angels” krächzende Statisten niederschiessend durch das verschneite Noir York City und verarscht den verwöhnten Filmconaisseur mit ständigen Selbstgesprächen auf höchstem Emocore-Weltschmerzniveau. Das braucht kein Mensch, auch ich als Fan der Spiele nicht. Und in PG13 gleich dreimal nicht.

“Max Payne” destilliert Actionfilm, graphic novel und pulp fiction. Und diese Essenz wird jetzt wieder zurück in einen Film gekocht? Welchen Sinn hat das überhaupt? Der Stoff würde als Comic nicht funktionieren und er wird es als Film nicht. Da wird dann wieder mal aus einer geliebten Spielelizenz irgendwas für Leinwand- und DVD-Markt zusammengekloppt.

He had a baseball bat, and I was tied to a chair. Pissing him off was the smart thing to do.

Argh. Wenn ich mir den Trailer anschaue, dann vermisse ich auch schmerzlich das Originalthema. Immer wieder herrlich, wenn sich Leute ohne den geringsten Bezug zum Originalmaterial an solche Projekte wagen. “Wir hamm hier ‘ne Lizenz. Mach da mal was draus und lass es aussehen wie ‘ne Mischung aus Matrix und Sin City, hmmkay?”. So wurde ja schon aus dem “Hitman”-Film großartig belangloser Mist.

Naja, einen guten Effekt hat die Neuigkeit – ich konnte hier auf 4F endlich mal wieder ein bißchen Content beitragen und obendrein noch auf schamloseste Weise Zitate aus einem meiner absoluten Lieblingsspiele verwursten. Einer geht noch. Der Klassiker:

They were all dead. The final gunshot was an exclamation mark to everything that had led to this point. I released my finger from the trigger. And then it was all over.


Gespeichert in: Gegen, Vier Fäuste

6 Kommentare for 'Something wicked this way comes'

  1.  
    Ivor Bigbotty
    14. Juli 2008 | 16:30
     

    Filme zu Spielen und Spiele zu Filmen sind meistens großer Mist; das ist kurz gesagt das, was ich seit dem Anfang meiner Gamer-Karriere gelernt habe. Dennoch gibt es Ausnahmen wie z.B. eine indizierte James Bond Schießerei auf N64.
    Bei Spielen habe ich mich schon an den Umstand gewöhnt – Spiel zum Film = nicht kaufen.
    Bei Filmen schmerzt es mich immernoch jedes Mal, wenn ein neuer rauskommt. Ganz schlimm ist es meist bei Spielen, bei denen man das ganz besondere Spielgefühl hatte. Mir ist schon klar, dass man nicht ein Spiel 1 zu 1 als Film übernehmen kann, trotzdem ist das keine Entschuldigung für die Kacke die oftmals abgeliefert wird *hust*Residentevil*hust*
    Das schlimme ist, dass man sich die Machwerke ja trotzdem oft noch anschaut, weil man aus erster Hand wissen will, dass sie schlecht sind. Aber so langsam setzt auch hier der Lerneffekt ein – Film zum Spiel = nicht schauen.
    Sollte wider erwarten doch mal ein herausragender Film dabei sein, dann kriegt man das schon mit (gibt ja genug Nerd-Blogs) und kann ihn immernoch auf DVD gucken.

  2.  
    14. Juli 2008 | 21:00
     

    Jau, das kann man im Großen und Ganzen so stehen lassen.

    Eine Ausnahme wäre in meinen Augen der “Silent Hill”-Film. Wobei ich zugeben muss,
    a) die Spiele nicht zu kennen (bitte werfen sie kein faules Obst auf die Bühne, danke)
    b) ich den Film bisher nur ein einziges Mal gesehen habe und VIELLEICHT von dem visuellen Overkill geblendet worden bin. Aber alleine aus diesen visuellen Gründen ist der Film alleine schon super.

  3.  
    Ivor Bigbotty
    15. Juli 2008 | 11:39
     

    Bei Silent Hill kann ich dir zustimmen. Ich habe SH seit der PSX gespielt (allerdings kein “The Room” oder “Origins”) und beim Film hat man tatsächlich den Eindruck, dass spiel gespielt und die Atmosphäre verstanden wurde. Der Film fühlt sich an wie die Spiele, die Monster sehen so aus. Es ist vielleicht nicht der beste Gruselfilm, den ich gesehen habe, aber den Titel Silent Hill kann er tragen.

    Ach, und da fällt mir noch was ein … Postal =)

  4.  
    15. Juli 2008 | 18:22
     

    Aus irgendeinem merkürdigen, überirdischen oder vielleicht kosmischen Grund war es mir bisher noch nicht vergönnt (?) in die Gelegenheit zu kommen, einen Film von Uwe Boll zu sehen.

    Im Ernst. Ich bin dem Mann nicht irgendwie ausgewichen oder so. “Postal 2″, also das Spiel, war allerdings… äääh interessant.

  5.  
    Ivor Bigbotty
    16. Juli 2008 | 15:15
     

    Handwerklich wirken Boll-Filme auf mich immer etwas Rookie-haft und zusammengewürfelt. Das schließt aber nicht aus, dass der Film doch Spaß macht. Wie gesagt war Postal witzig und House of the Dead auch. Vom Rest bin ich nicht so überzeugt.

  6.  
    4. August 2008 | 16:55
     

    Och, ich würde der Verfilmung nicht so pessimistisch gegenüber stehen. Auf der anderen Seite, könntest du natürlich Recht haben. Ich lass mich mal da überraschen, da man ja noch überhaupt nicht weiß, was uns da genau erwartet. Dieser Teaser hält sich ja sehr bedeckt.

Schreibe einen Kommentar

(erforderlich)

(erforderlich)


Hinweise zu den Kommentaren
Zeilen und Absätze werden automatisch umgebrochen. Die E-Mail Adresse wird nicht angezeigt.

Um den Kommentar zu formatieren bitte die Funktionsbuttons benutzen.


RSS Feed zu diesem Beitrag | TrackBack URI