Besser als Kino

Donnerstag 23 April 2009

Bis vor kurzem hatte mich EDF 2017 fest in seiner Hand. Warum? Die eigentliche Frage sollte lauten: warum erst so spät? Dies hat zwei Gründe. Anfangs hatte ich das Spiel einfach auf dem Radar, was evtl. damit zu tun haben könnte, dass ich damals noch keine 360 hatte. Spätestens nach der Aufnahme des Titels in die Top5 des Jahres 2008 von direkt zwei Spielern musste ich mir anschauen, was es mit dem Alien-Gemetzel auf sich hat. Leider hat es eine lange Zeit gedauert, bis ich es auch mein eigen nennen durfte, zwei Shops haben mir nach erfolgter Bestellung noch eine Absage erteilt.

Wie dem auch sei, jetzt besitze ich es und habe eine Zeit lang nichts anderes mehr gespielt. Ich mögt ausgefeilte Storylines und vielschichtige Charaktere? Ihr erwartet von 360-Titeln zeitgemäße Grafik mit stabiler Frame Rate? Eine realistische Physik-Engine?

Dann spielt irgendwas anderes, bloß kein EDF 2017. Dieses Spiel ist “over the top” wie eine Mischung aus B-Movie und Bud Spencer Kloppereien (ich weiss, für manche besteht da kein Unterschied, aber das ist eine andere Sache). Es ist der Rambo unter den Spielen. Schnörkellos aufs Maul. Hat allerdings auch seine Fehler (s.o.)

Das Spielerlebnis an sich dürften manche als repetetiv oder eintönig bezeichen. Ich nenne es reduziert. Reduziert auf das Wesentliche. Action pur. Nachdenken? Nein, danke! Ich weiss nicht warum, aber EDF hatte mich von der ersten Minute an.

Es ist weit weg von abwechslungsreich, die Gegnertypen kann man sich an zehn Fingern abzählen und die Levelsettings an vieren. Trotzdem hält es einen bei der Stange. Zum einen macht es einfach Spass, massenweise Aliens und deren Kuscheltiere (menschenfressene Riesenameisen und ebenso menschenfressende, riesige Spinnen) wegzuholzen, zum anderen will man die 171 freispielbaren Waffen besitzen. Diese sind übrigens genauso übertrieben, wie das ganze Spiel. Es ist einfach köstlich anzusehen, wie die Monsterameisen nach einem Raketentreffer in den Hauptpulk in sämtliche Himmelsrichtungen auseinander spritzen, manchmal sogar aus dem Sichtfeld des Spielers raus. Und das, obwohl der Titel eine recht gute Fernsicht besitzt.

Man steuert also ein Squad-Member der Earth Defense Force, die die Erde vor außerirdischen Eindringlingen verteidigen soll. Hierbei werden keine Gefangenen gemacht. Dass man dabei die zu verteidigende Stadt dem Erdboden gleichmacht, scheint der Führungsebene herzlich egal zu sein. Kollateralschäden halt. Hauptsache der Feind wurde zurückgeschlagen. Und so schiesst man sich munter durch 53 Level und das am besten 5 mal hintereinander auf den verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Hier kommen nämlich die wahren Stärken des Spiels zum Tragen. Sammelsucht. Upgradespirale. Ausserdem erhält EDF durch die steigenden Schwierigkeitsgrade zumindest auf der höchsten Stufe noch eine Spur Taktik- und Strategiekomponente. Hätte man so nicht erwartet, aber mit blindem Geballere kommt man auf manchen Stages nicht weiter. Gerade jetzt macht der Koop-Modus richtig Laune, für den erfolgreichen Abschluss mancher Level ist ein Partner imho sogar dringend erforderlich. Hierfür steht zwar nur lokaler Multiplayer zur Verfügung, aber mir reicht das vollkommen. Im Gegenteil, ich nehme den Splitscreen gerne in Kauf, wenn ich das Spektakel mit jemand anderem genießen kann.

Insgesamt dürfte inzwischen klar geworden sein, dass EDF sich selber nicht ernst nimmt. Deutlich wird das sowohl an der abgespeckten Spielmechanik, als auch an dem übertriebenen Setting. Ganz nettes Detail sind z.B. auch die Funksprüche seines Squads, von “Gib mir Deckung!” – “Mach es doch selbst!” bis hin zu “Mann, ich freu mich auf ein kaltes Bier zuhause!” ist alles dabei. Letzterer scheint übrigens durch die häufige Wiederholung eine gewisse Suggestivkraft zu entwickeln.

Warum das ganze besser sein soll als Kino? Normalerweise schaue ich einen Film, wenn ich auf dem Rollentrainer sitze. Bis vor kurzem spielte ich EDF 2017.


Gespeichert in: 360

1 Kommentar for 'Besser als Kino'

  1.  
    9. Mai 2009 | 22:21
     

    Bin grad bei Level 48 auf easy (irgendwie muss man ja anfangen ^^) und kann dem Bericht hier nur beipflichten. Es macht hammer Spaß und wird nur utnerbrochen von den leeren Akkus meines Pads *g*
    Simpel, aber fesselnd.

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