Nun, Moriarty konnte mir nicht groß weiterhelfen. Oder wollte. Wer weiss das schon. Vermutlich hat er noch Informationen in seinen Gemächern – so etwas hat zumindest Gob, der Kellner-Ghoul, der ziemlich unter seinem Chef leiden muss – angedeutet. Ich muss auf einen geeigneten Moment warten, um mir diesen Moriarty noch einmal genauer vorzuknöpfen.
In der Zwischenzeit habe ich ausserdem Moira Brown, die Besitzerin des “Craterside Supply” kennengelernt. Das ist so eine Art Gemischtwarenhändlerin. Moira ist eine wirklich bemerkenswerte Person. Ich meine das nicht im Sinne von “Frau, die man ins Bett kriegen sollte”, sondern eher… Naja. Sie ist anders. Die Welt vor ihrer Ladentür ist zynisch, mörderisch, mutiert, lebensgefährlich. Moira ist dagegen die personifizierte Naivität. Sie ist optimistisch bis in den Tod und darüber hinaus und sie ist vermutlich die gutgläubigste Person an der gesamten Ostküste. Das in Kombination mit ihrem Wissensdurst und ihrem handwerklichen Geschick hat mich tatsächlich dazu gebracht, sie bei der Recherche zu ihrem “Wasteland Survival Guide” zu unterstützen. Sie glaubt fest daran, mit einer Sammlung von Tipps und Tricks zum Überleben in der Ödnis der Menschheit insgesamt zum Überleben zu verhelfen. Klingt bekloppt. Jemanden wie Moira auf seiner Seite zu haben, kann einen in einem unvorsichtigen Moment vielleicht umbringen, ihre Fähigkeit, Dinge aller Art zu reparieren, ist aber auf der anderen Seite nicht in allen Stimpacks dieser Welt aufzuwiegen.
Gut, es gab da den einen oder anderen Moment während meiner “Recherchetätigkeit”, in dem ich ernsthaft an meinem Verstand zweifelte, dieser vollkommen durchgeknallten Irren meine Hilfe angeboten zu haben. Ob das jetzt beim Minenentschärfen unter Heckenschützenbeschuß war, oder doch eher dieser bizarre Strahlentest – ich hatte wohl bisher mehr Glück als Verstand. Und jetzt eine Freundin mehr.
Nun habe ich ihr bisher bei zwei Kapiteln geholfen und bin heute unterwegs nach Rivet City, um für sie in der Geschichte dieser Ortschaft herumzustöbern. Mir ist jetzt allerdings etwas in die Quere gekommen. Auf dem Weg nach Rivet City – dafür muss ich den Fluss über- und Teile des zerstörten Washington durchqueren – habe ich den Jungen Bryan Wilks getroffen. Dieser war schwer verstört und erzählte mir, dass er aus einer Ortschaft namens Grayditch kommt. Dort wohnte er zusammen mit seiner Familie und der Familie Brandice einigermassen sicher – bis der Ort von Fire Ants überfallen wurde. Der kleine Bryan konnte entkommen, sorgt sich aber um das Schicksal seiner Eltern und Nachbarn.
Ich kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen und ich habe genug mit meiner eigenen Geschichte zu tun, um hier als Samariter aufzutreten. Aber trotz oder vielleicht gerade wegen meiner eigenen krummen Familienverhältnisse habe ich beschlossen, Bryan zu helfen. Der Survival Guide kann warten.
