Fallout, ein Tagebuch – Teil 9

Freitag 8 Mai 2009

Das war bizarr. Extrem bizarr. Ich folgte dem Notruf und was ich fand, war eine Untergrundbasis der Brotherhood of Steel. Genauer gesagt, einer Gruppe, die sich Outcasts nennt und sich von der eigentlichen Brotherhood abgetrennt hat. Die Umgebung von Washington mag ein zerstörtes Ödland sein, aber politischen Gruppierungen konnte das nukleare Inferno anscheind nichts anhaben.

Wie auch immer, als ich also die Metrostation Bailey’s Crossroads erreichte, habe ich eine Gruppe dieser Outcasts angetroffen, die sich gerade in einer bewaffneten Auseinandersetzung mit ein paar Supermutanten befand. Supermutanten – meine Güte! Ich hatte diese … DINGER vorher noch nie gesehen. Gemeine, riesige grüne Fleisch- und Muskelberge, bis an die Zähne bewaffnet. Alleine wäre ich aufgeschmissen gewesen, aber ein Trupp Outcasts in Powerrüstung und Minigun hat mir den Weg durch den Belagerungsring bis zur Basis freigeschossen.

Und dort wartete dann die nächste Überraschung auf mich. Diese Leute waren sehr von meinem Pipboy angetan. Das Gerät an meinem Handgelenk versetzt mich scheinbar in die Lage – gekleidet in einen Neuralschnittstellenanzug – eine Virtual Reality-Simulation durch”spielen” zu lassen. Ganz recht, die Outcast haben per Funk jemanden gesucht, der ihr Computerspiel spielt. Gut, genau genommen handelt es sich nicht um das System der Outcast. Die haben ihr Camp nur in den Untergrundeinrichtungen einer alten Firma namens Virtual Strategic Solutions aufgeschlagen. Die haben das Spiel für die Armee entwickelt.

Wohl aus Propagandagründen. Denn dieses “Spiel” simuliert die Befreiung von Anchorage aus chinesischer Hand vor 200 Jahren. Mit deaktivierten Sicherheitseinrichtung. Stirbt der Spieler im Spiel, stirbt auch sein Körper in der Realität. Na reizend. Und wozu das Ganze? Aus irgendeinem – ich wiederhole mich hier gerne – extrem bizarren Grund hat diese Simulation den Eingang zur Waffenkammer kontrolliert. Und deren Inhalt wurde wegen der ständigen Bedrohung durch Supermutanten dringend gebraucht. Da ich ja jetzt selbst sozusagen zu den Belagerten gehörte, blieb mir kaum eine andere Wahl, als mich der Aufgabe zu stellen.

Stellt sich heraus, dass es gar nicht so schwer war. Ich habe einen Moment gebraucht, mich in der VR-Welt zurecht zu finden. Man fühlt sich dort etwas körperlos. Im Großen und Ganzen waren die Missionen recht gradlinig, teilweise durfte ich zwar mein eigenes virtuelles Platoon befehligen, aber im Grunde ging es nur darum, eine halbe virtuelle chinesische Armee zu erschiessen. Das ging erstaunlich einfach. Nehme an, das war Absicht – denn die Darstellung des dummen chinesische Feindes passte ganz gut zu dem restlichen übertrieben heroischen Propagandagebolze. In der Simulation sind Amerikaner noch richtige Amerikaner, Republikaner noch aus Schrot und Korn und Kommunisten der Abschaum von der anderen Seite der Welt.

Na gut, zu leicht war es dann zum Schluss doch nicht – ich musste mich heftig übergeben, als ich die Simulation wieder verlassen habe. Nicht wegen der Patriotismusbreitseite, wohl eher weil mein Hirn den plötzlichen Umstieg in die Echtwelt nicht vertragen hat. Trotzdem habe ich es geschafft, die Waffenkammer öffnete sich und gab ihre 200 Jahre alten Schätzchen Preis. Zur Belohnung durfte ich mich dort eindecken.

Das hat allerdings den anderen Soldaten nicht geschmeckt und so haben sie – fürchtend, ich würde all die Waffen mitnehmen, die sie doch zum Überleben im Kampf gegen die Supermutatenten benötigen – einen spontan Putsch angezettelt, der in einer Schiesserei endete. Tolle Sache. Ich reisse mir den Hintern auf, um diesen Leuten zu helfen – aber im Endeffekt mussten dann doch alle sterben. Als die ersten Schüsse fielen, war ich glücklicherweise in der Waffenkammer und hatte daher direkten Zugriff auf recht durchschlagkräftiges Material. Das hat mir vermutlich das Leben gerettet.

Jetzt stehe ich also als einziger Überlebender hier, eingekleidet in eine antike, aber taufrische Powerrüstung mit Wintercamouflage und in den Händen trage ich ein Gaussgewehr. Damit fühle ich mich gut ausgestattet, um mich weiter Richtung Rivet City durchzuschlagen. Jetzt endgültig, ohne mich weiter ablenken zu lassen.

Die Rüstung kneift allerdings etwas…


Gespeichert in: Vier Fäuste

2 Kommentare for 'Fallout, ein Tagebuch – Teil 9'

  1.  
    Kazoom
    19. Mai 2009 | 22:19
     

    Ich hoffe doch, dass dein Tagebuch weitergeht. Ich lese es immer gern, weil ich auch noch extrem von Fallout gefesselt bin. Also bitte weiter…

  2.  
    20. Mai 2009 | 22:02
     

    Freue mich sehr über positive Rückmeldungen zu diesem Tagebuch, gerade weil das ja auch ‘ne recht nerdige, special interest Sache ist. Also danke!!

    Und ja, es geht weiter. Wenn man sich die rare Freizeit allerdings zwischen dem schon zeitintensiven Fallout und dem Führen eines Tagebuchs darüber aufteilen muss, dauert das alles ein bißchen länger. Okay, die letzten Einträge kamen in einer etwas höheren Frequenz als vorher, was an mehr freier Zeit lag, aber das sieht jetzt wieder anders aus.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Fallout ist schlicht zu geil, um es links liegen zu lassen, ich habe die nächsten paar Folgen bereits grob umrissen und weitergespielt wird auch. Aber gemach ;-) Der nächste Teil jedenfalls sollte bald hier aufschlagen, weil er beinahe fertig ist.

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