Hex, Hex

Freitag 5 März 2010

Das neue Spiel aus dem Hause Platinum Games ist genauso over-the-top wie deren letztes Projekt: Mad World. Der Designer Hideki Kamiya (bekannt durch Devil May Cry und Viewtiful Joe) ist sich treu geblieben und hat ein weiteres Spiel in dieser Tradition entwickelt. Nur dass diesmal eine Hexe irgendwelche Engel verprügelt. Die dunkle Seite ist stark in ihr.

Wie z.B. aus DMC gewöhnt, schlägt man sich mit Nah- und Fernkampfattacken durch Massen von Gegnern. Die Art des Angriffs wird wie üblich durch die Ausrüstung bestimmt, neu ist allerdings, dass Bayonetta auch Waffen an den Füßen tragen kann (nein, nicht anstatt), was dem Kampfgeschehen eine gewisses Maß an Übertreibung beschert. Es kann nach Herzenslust gemasht werden, irgendwas Beeindruckendes kommt meistens dabei raus. Für einen stetigen Spielfortschritt sollten jedoch zumindest ein paar der zur Verfügung stehenden Kombos gemeistert werden. Dies stellt sich nicht allzu schwer dar, es ist die schiere Anzahl der Möglichkeiten, die verblüfft. Ich wette, dass ich in meinen 40 Stunden Spielzeit noch nicht ansatzweise alle möglichen Kombos gesehen habe (man kann dies imo in den Optionen irgendwo nachgucken, fehlt mir nur gerade die Lust zu).

Zur Verfügung stehen Pistolen, Pumpguns, Schwerter, Peitschen, Handschuhe und weitere freizuschaltende Waffen. Zusätzlich können drei Ausrüstungsslots mit Amuletten oder Talismanen bestückt werden, die einem das Leben leichter machen sollen. Neben diesen Ausrüstungsupgrades lassen sich neue Techniken einkaufen, die die Steuerung um weitere Elemente erweitern. So kommt z.B. jetzt Stick-Movement (2x schnell in Richtung Gegner + Knopf) hinzu, was das Ganze noch ein bisschen verkompliziert. Möchte mal behaupten, dass alles außer dem Ausweichen in der Luft für den Spielfortschritt (auf normal) nicht wirklich wichtig ist.

Apropos ausweichen: es handelt sich um DAS Kernelement des Spiels. Um effizient ausweichen zu können, muss man die Angriffsmuster der verschiedenen Gegnertypen kennen. Dies ist mal leicht und mal schwieriger, mal wird es komplett zum Glücksspiel. Wenn man es beherrscht und zum letztmöglichen Moment ausweicht, so wird man mit einer temporären Verlangsamung der Zeit – genannt “Bullet Witch-Time” – belohnt, während der man die Gegner in aller Ruhe bearbeiten kann. Nicht umsonst gibt es ein Accessoire, welches die Gegner wütend macht, so dass diese doppelt so oft zuschlagen und man so doppelt so viele Chancen hat, in Hexenzeit zu wechseln. Typische Abwägung von Ertrag und Risiko.

Und ja, es gibt sie auch hier: QTE. Zum Glück nur an gefühlt 2-3 Stellen mit sehr fairen Rücksetzpunkten. Sparen können hätte man sich das trotzdem. Wenigstens werden sie nicht so inflationär eingesetzt, wie in den bisherigen GoW Teilen, in denen man die sehr geil choreografierten Bosskämpfe nur als Zuschauer wirklich genießen kann. Letztere fallen übrigens auch bei Bayonetta in die Kategorie “episch”.

Ich habe von anderen Spielern gelesen, dass die Grafik zu schlecht, das Acting zu überzeichnet oder die Übersicht nicht vorhanden sei. Nicht zu vergessen, die stellenweise echt nervige Musik. Was die Musik und das Acting anbelangt, kann ich nur zustimmen. Die Grafik fand ich jetzt nicht sonderlich schlecht, was aber auch daran liegen könnte, dass es erst das zweite Spiel auf meinen neuen 42″ Plasma ist. Die Übersichtlichkeit war für mich absolut ausreichend. Durchaus nachvollziehen kann ich aber auch, wenn sich Leute beschweren, dass die Kamerarotation nicht optimal sei oder die “Haare-Action” zuviel von dem Geschehen auf dem Bildschirm verdecke. Aber das ist wohl Geschmackssache, habe jedenfalls schon deutlich Schlechteres gesehen.

Für die Leute, die sich bereits über den normalen Schwierigkeitsgrad beschweren (den ich noch relativ human fand) – ihr solltet euch erst gar nicht an “schwer” oder gar “infinite climax” versuchen. Nee, ihr haltet euch lieber an den “Mami-Modus” (die Schwierigkeiten “sehr einfach” und “einfach” lassen sich mit nur einem Knopf durchspielen). Keine Ahnung, was das soll. Ein Zugeständnis an die “Casuals” dieser Welt? Oder an Dauerbesoffene / Kinofreunde / du nennst es? Wenn man diese “immortal marionette” hat, kann man sogar das ganze Spiel auf allen Schwierigkeiten mit dem Einknopfgedrücke durchspielen (dafür gibt es allerdings nur halbe Kombo Punkte). Naja jedem das Seine. In meinen Augen grenzt das schon an cheaten und ist zudem absolut überflüssig. So gut ist die Story nämlich nicht, als dass sie als einzige Antriebsfeder für das Weiterspielen herhalten kann. Im Gegenteil, ich würde sie eher als abstrus bezeichnen.

Um noch kurz auf den “Porno”-Aspekt einzugehen (eindeutig ein Fokus des Spiels, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in Ninja Gaiden 2 Sigma): die neuen Anziehsachen lohnen sich mal null, das Original-Outfit sind immer noch am besten aus. Und mal unter uns: wenn man schon eine halbnackte Protagonistin erschafft, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Beine breit macht, kann sie dann nicht wenigstens hübsch sein? In meinen Augen ist die Gute ziemlich unproportioniert gestaltet. Irgendwie passt das nicht zusammen. Der Kopf ist so klein wie bei SF4 die Extremitäten groß sind. Unsexy.


Gespeichert in: 360

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